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20 Jahre ONE-O-FIVE

Aus Radio 105 wurde my105. Happy Birthday!
Die Geschichte geschildert aus der Sicht des Gründers und Inhabers Giuseppe Scaglione.

Unglaublich! Es ist soweit: ONE-O-FIVE feiert sein 20jähriges Bestehen. Wer hätte das gedacht. Als die Betreibergesellschaft von Radio 105 im Januar 2014 Konkurs anmelden musste, weil uns der neue Investor zwei Wochen vor Weihnachten eiskalt den Stecker gezogen hatte, brach für uns eine Welt zusammen. Meine Frau und ich durchlebten danach die schlimmste Zeit unseres Lebens. Zu diesem Zeitpunkt wären wir nie auf die Idee gekommen, dass wir eines Tages dastehen und zusammen mit unserem Publikum feiern würden. Aber das Leben spielt manchmal verrückt und unser damaliger Programmchef und Morningshow-Star Jan Müller hatte eine Vorahnung. Als wir unsere geliebten Studios – unser zweites Zuhause, wo wir quasi Tag und Nacht verbrachten – in Begleitung des Konkursbeamten verlassen mussten, sagte mir Jan: „Ich bin überzeugt, dass die Geschichte von 105 nicht hier enden wird“. Und er hatte Recht: Die Geschichte konnte nicht so enden. Dafür hatten wir in all den Jahren zu viel aufgebaut, zu viel erreicht. Dafür waren wir für ein ehemaliges Kabelradio aus dem Industriequartier von Muttenz (BL) einfach zu weit gekommen. Dafür hatten wir auch zu viele Menschen im Herzen berührt. Dreimal in Folge erhielten wir die Branchenauszeichnung „Radio Of The Year“. Rekord!

 

Die Geschichte von 105 ist auch eine Geschichte der gelebten Träume. Nicht nur für mich als Gründer, der ohne zu wissen, was genau auf ihn zukommen würde, die Vision eines Radios für junge Leute hatte. Als ich meinen Eltern im Alter von 24 Jahren von dieser Idee erzählte, waren sie entsetzt. Aber der Wille war immer grösser als die Widerstände. Ich hatte einen ganz bestimmten Sound im Ohr, wie ein modernes Radio zu tönen hat, das es so in der Schweiz noch nicht gab. Dieses Konzept zogen wir konsequent durch und waren in vielen Bereichen Vorreiter. So waren wir z.B. die Ersten, die einen Sound-Layouter und DJs engagierten oder ganz gezielt „Personality-Radio“ machten. Auch inhaltlich und technologisch waren und sind wir immer noch auf der Höhe der Zeit. Bereits im 2005 lancierten wir die ersten Sparten-Webradios und zehn Jahre später - im Jahr 2015 - die topaktuelle Music-App „my105“, die Radio im Spotify-Zeitalter bietet. Ebenso brachten wir einen völlig neuen Moderationsstil in die Schweiz. Im Laufe der Jahre haben wir viele junge Talente entdeckt und ausgebildet. Sie konnten bei uns ihren Traum vom Radiomachen leben und liefen dabei zu Höchstleistungen auf. Viele, die ihre Karriere bei Radio 105 begonnen haben, arbeiten heute bei den grössten Medien des Landes. Es war dieser ganz spezielle Spirit, den man eigentlich Aussenstehenden gar nicht so richtig beschreiben kann, den aber das Publikum immer schon gespürt hat. Und wie! Wir hatten schon in den ersten Monaten als Kabelradio ein sehr grosses Hörerfeedback. Unglaublich, aber damals steckte das Internet noch in den Kinderschuhen und die Hauptkanäle für die Kommunikation mit unseren Hörern waren Telefon und Fax (!). Der Erfolg von Radio 105 blieb auch den Medien – und natürlich der omnipotenten SRG – nicht verborgen. Der grösste Medienkonzern des Landes kopierte uns bereits nach einem Jahr mit seinem Jugendradio Virus. Obwohl der SRG-Sender das dreifache Budget und fast dreimal so viele Mitarbeiter hatte und vom grossen Schwestersender SRF3 (damals DRS3) profitieren konnte, kam Virus nie richtig vom Fleck. Wir hatten zeitweise fast viermal so viele Hörer. 

 

Die Geschichte von 105 ist aber auch geprägt vom Kampf um UKW-Frequenzen und somit um faire Verbreitungsmöglichkeiten (heute kaum mehr vorstellbar). Gemeinsam mit unseren Hörern wollten wir einfach nicht einsehen, weshalb man ein so erfolgreiches Kabelprogramm nicht auch auf UKW verbreiten kann, so dass es auch unterwegs von allen gehört werden konnte. 10 Jahre lang kämpften wir mit allen legal zur Verfügung stehenden Mitteln für unsere UKW-Frequenz - sogar mit Gerichtsverfahren gegen das UVEK/BAKOM und Konkurrenten, die wir allesamt gewannen. Eigentlich wollte ich „nur“ Radio machen, verbrachte aber plötzlich mehr Zeit mit Anwälten und Papierkram als mit Musik und programmlichen Inhalten. Und dann standen wir plötzlich nicht nur mit einer, sondern gleich mit zwei UKW-Frequenzen da! So etwas hatte es zuvor in der Schweiz noch nie gegeben. Radio Energy des Ringier-Konzerns ging bei der Frequenzvergabe leer aus und stand radiomässig am Abgrund. Aus diesem Grund führte Ringier mit uns Gespräche über einen Verkauf der zweiten Konzession. Ich hatte diesbezüglich grösste Bedenken, da mir klar war, dass uns Energy (mit dem Ringier-Konzern im Rücken) an die Wand drücken könnte. Ringier hingegen versicherte uns, dass dies nicht geschehen werde und man im Gegenteil den Markt partnerschaftlich und gemeinsam bearbeiten wolle. Dabei war sogar die Rede von gemeinsamen Radiostudios bzw. einem gemeinsamen Radiohaus. Aber damit nicht genug: Ringier bot uns auch an, unsere Werbung zu verkaufen und uns eine jährliche Garantiesumme zu bezahlen. Kurzum: Das alles war für uns eine sehr gute Perspektive, die wir vertraglich wasserdicht absicherten. Also konnte ich diesem Deal mit gutem Gewissen zustimmen. Verrückt: Hätte ich damals nicht zugestimmt, gäbe es heute Energy nicht mehr. Trotzdem wurde nach dem ersten Jahr der „Zusammenarbeit“ klar, dass Ringier bzw. Energy sich nicht an den Vermarktungsvertrag hielten. Die Garantiesumme wurde zwar bezahlt, aber die partnerschaftliche Zusammenarbeit und Vermarktung blieb völlig aus bzw. wurde durch Ringier/Energy torpediert. Erst viel später wurde klar warum. 

 

Interview mit Schawinski: „Jeder ernsthafte Beobachter sieht es wie ich“

https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Jeder-ernsthafte-Beobachter-sieht-es-wie-ich/story/15963770?track

 

Artikel: „Fünf Retter und ein Totengräber“

https://www.schweizamwochenende.ch/medien/fuenf-retter-und-ein-totengraeber-131056101

 

Das Verhalten von Energy führte dazu, dass wir in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Daraufhin übernahm der Berner Ex-Werber Daniel Hartmann im Sommer 2013 als Investor die Betreibergesellschaft von Radio 105 und wollte das Unternehmen massiv ausbauen. Sechs Monate später verliess ihn der Mut und er wollte nichts mehr von seinen vertraglichen Pflichten wissen. So steuerte er das Unternehmen direkt in den Abgrund. 

 

Soundfile: „Die letzten Minuten von Radio 105“

https://soundcloud.com/simonhutmacher/radio-105-die-letzten-worte-14

 

Nach dem Konkurs präsentierte sich Roger Schawinski als Retter von Radio 105 in den Medien. Allerdings hatte er übersehen, dass er nur die UKW-Konzession aus der Konkursmasse gekauft hatte, nicht jedoch die Markenrechte an „105“. Da er sich mit den Markeninhabern nicht einigen konnte und sie ihm untersagt hatten, den Sender weiterhin „Radio 105“ zu nennen, kam er auf die spitzbübische Idee, den Sender einfach in „Planet 105“ umzutaufen. Ein Etikettenschwindel nach dem Motto: Es ist ja nur eine Zahl. Aber die Emotionen waren und sind einzig und allein mit der Original-Marke und seiner Geschichte verbunden. Und das ist weit mehr als eine simple Zahl – sowohl bei den Machern wie bei den Hörern.

 

Als wir das Tal der Tränen durchlaufen hatten, war für mich und meine Frau, die bereits Radio 105 von Beginn an mitaufgebaut hatte, klar, dass wir wieder aufstehen und nochmals bei Null beginnen werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde uns die Originalmarke 105 angeboten, sodass wir nicht lange überlegen mussten. Wir wussten: Wir treten nochmals an. So wurde im Mai 2015 aus Radio 105 die Music-App my105 mit verschiedenen, von Musikredaktoren kuratierten Musik-Channels für jeden Geschmack und jede Stimmung. 

 

Artikel: „Das Comeback von Mr. 105“

https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Das-Comeback-von-Mr-105-/story/18855218?track

 

Schon zu den Zeiten als Kabelradiomacher sagte ich mir immer, dass ich das alles nur solange machen würde, wie uns die Hörer treu bleiben. Und das war von der ersten Minute an so und wiederholte sich auch beim Neustart im Mai 2015 mit der Music-App my105. Seither nimmt die my105-Community jedes Jahr um rund 40% zu.

 

Website: „my105 – Best Music App“

http://www.my105.ch

 

Die Geschichte von 105 ist somit auch eine Geschichte von Passion und Herzblut. Eine Geschichte von Hochs und Tiefs, vom Umfallen (böse Zungen würden es Scheitern nennen) und wieder Aufstehen. Die Leidenschaft für eine Sache kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Do it with love or don’t do it at all!

 

Es gibt aus diesen 20 Jahren derart viele Momente – schöne und wie in jedem Leben auch weniger schöne – deren Beschreibung ein ganzes Buch füllen würden. Vielleicht schreibe ich dieses noch. Insgesamt überwiegen aber ganz klar die schönen Momente. Selbst die bittere Erfahrung des Konkurses hat uns weitergebracht und einen Neuanfang ermöglicht, der sich schon bald als grosse Chance herausgestellt hat. Die Technologie ändert sich, aber die Musik steht immer noch im Mittelpunkt unseres Lebens. Sie ist stärker alles andere. The Best Music First!

 

Stellvertretend für die vielen Aufnahmen und Sendehighlights hier ein kurzes „Best Of“ der legendären Morning-Show mit Jan Müller und seiner Morgen-Crew:

http://www.my105.ch/fileadmin/downloads/Bestofmorningshow.mp3

 

Diese 20 Jahre wären ohne Menschen, die an diese Vision geglaubt haben, nie möglich gewesen. Ich bedanke mich bei meiner Familie, meinem Freundeskreis, meinen Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern. Und natürlich geht auch ein grosses Dankeschön an alle 105-Fans und Hörer. my105 – One Love!

 

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wir haben noch einiges vor.

Giuseppe Scaglione 

♣ DJ Night Birthday Edition!

Alle Bilder hier!